„Demokratie“ an der Hochschule

Die Bevölkerung der Ludwig-Maximilians-Universität setzt sich zusammen aus:

  • 44.500 Studierenden,
  • 2.450 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen,
  • 2.450 sonstigen MitarbeiterInnen und
  • 694 ProfessorInnen.

Dementsprechend verteilen sich die Sitze im Senat, dem zentralen Gremium der Universität auf:

  • 2 Studierende,
  • 2 wissenschaftlichen Mitarbeit-erInnen,
  • 2 sonstige MitarbeiterInnen,
  • 10 ProfessorInnen und
  • die Frauenbeauftragte.

Ein kleines Ungleichgewicht? Ich bitte Euch, warum sollten unmündige Kinder, frisch von der Schule, an der sie auch nie gelernt haben Verantwortung zu übernehmen, jetzt die Belange der gesamten Universität maßgeblich beeinflussen dürfen?

Demokratie funktioniert nur unter Gleichen, unter der Voraussetzung, dass jede/r Beteiligte mündig genug ist, eine Entscheidung zum Wohle der Allgemeinheit zu treffen. Dazu in der Lage sind nur Personen, die in die Hochschule integriert sind, am Alltag der Hochschule teilhaben. Studierende, die KundInnen der Hochschule, partizipieren nur als EmpfängerInnen von Wissen, nicht als MitgestalterInnen.

Gelegenheit sich auch in der Mitgestaltung zu üben, wird ihnen besser nicht gegeben. So behaupten sie unverständlicherweise auch nach zwei Jahren immer noch, dass Studiengebühren nicht förderlich für die Hochschulen wären.

In ihren Händen würde die Hochschule zu einem Ort verkommen, an dem sich jede/r bilden dürfte, der Forschung und Lehre vereinen würde. Ein Ort an dem selbst der Begriff „Lehre“ hinfällig würde, an dem alle Beteiligten, ungeachtet ihres Titels zu Lernenden, sich Bildenden, werden würden.

Solcher oder so ähnlicher Unsinn spukt in den Köpfen der Studierenden herum. Kein Wunder also, dass schon 1973 die verfasste Studierendenschaft in Bayern abgeschafft wurde. Mittlerweile werden die Studierenden dank einer Experimentierklausel im Hochschulgesetz wieder ein wenig beteiligt, in den Studiengebührenkomissionen ist sogar die Hälfte der Gremiumsmitglieder studentisch. Gott sei Dank hat dieses Gremium nur beratende Funktion, so kann die Hochschulleitung zur Not immer noch über die Studiengebühren verfügen, wie sie es für richtig hält.

Zeitgleich mit den Studierenden wurde eine andere, neue Gruppe in die Gestaltung der LMU einbezogen; „hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und beruflicher Praxis“. Diese Gruppe vertritt niemanden aus der „Bevölkerung“ der Hochschule, nimmt aber 50% der Plätze im Hochschulrat ein, laut der LMU neuerdings „das zentrale Entscheidungsgremium“. Schlaue Köpfe, die sich erfolgreich in der harten Welt da draußen durchgesetzt haben und die mit Fug und Recht als Elite bezeichnet werden dürfen.

Ist die Meinung von zehn Menschen mehr wert als die von 45.000? An der LMU ja, warum auch nicht? Das Leben an der Hochschule benötigt schnelle, entschlossene Entscheidungen von kompetenten, erfahrenen EntscheidungsträgerInnen. Wieso alle nach dem Wohl aller befragen, wenn es einige wenige sowieso besser wissen?

Die Lösung für all unsere Probleme liegt in der Sammlung aller Entscheidungskompetenzen bei möglichst wenigen Personen, kurz gesagt, der präsidialen Autokratie, von rückständigen GeschichtswissenschaftlerInnen auch „Diktatur“ genannt. Schnöde Zukunftsfantasien? Keineswegs, an der LMU wird sie bereits gelebt! Vorgaben aus dem Präsidium werden in allen Gremien durchgeklopft, kritisches Nachhaken aus „Zeitmangel“ zurückgestellt. Gehandelt wird nach „Empfehlung“ des Präsidiums, das immer beratend zur Stelle ist.

Was tun? Als aus dem Entscheidungsprozess weitgehend ausgeschlossene, ist die stärkste Waffe der Studierenden der Lärm. Penetrantes, nicht nachlassendes aufmerksam Machen auf die Missstände an der Hochschule und die Unfähigkeit der „führenden“ Experten sie zu lösen. Gleichzeitig stehen wir in der Verantwortung Lösungen auszuarbeiten und zu präsentieren; das Potential ist da:

Die 50.000 hellen Köpfe der Hochschulbevölkerung sind in der Lage die Hochschule besser zu denken und zu gestalten als eine Handvoll Autokraten. Sie benötigen nur die Möglichkeit realer demokratischer Mitbestimmung.

Georg

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