Forschung und Lehre

oder die Suche nach der Priorität

Die Säulen der universitas wackeln. Was gemeinhin als Idealbild einer Hochschule betrachtet wird: Die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, die Einheit von Forschung und Lehre, sie erscheint nicht mehr zeitgemäß.

Den Kürzeren zieht dabei die Lehre. Sie bringt den Hochschulen weniger Geld und bedeutet für die ProfessorInnen einen größeren Arbeitsaufwand. Diesen Aufwand leisten sie lieber für den durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgerufenen Wettbewerb der Exzellenzinitiative. 2,7 Milliarden Euro sollen die Spitzenforschung in Deutschland voranbringen. Die Hochschulen sollen Leuchttürme der Wissenschaft werden und über ganz Europa ausstrahlen. In zwei Auswahlrunden wird bis 2012 über die Bewerber entschieden und dann, gemessen am Erfolg bestehender Projekte oder vielversprechender Konzepte, ausgewählt. Australien und Großbritannien nutzen dieses Wettbewerbskonzept bereits für ihr System der Hochschulfinanzierung: Während man in Downunder Forschungsgelder nach Forschungsleistung vergibt und man diese an  Publikationen und Drittmitteleinwerbungen misst, bestimmt die Verteilung in Großbritannien ein landesweites Evaluationsprinzip, welches in sieben Leistungsstufen unterteilt ist wobei die beiden Untersten keine Mittelzuweisungen bedeuten.

Diese Art der Forschungsfinanzierung kann aber nicht Ziel in Deutschland sein. Die Hochschulen werden in einen Wettbewerb gestellt, der sie falsche Prioritäten setzen lässt. Ziel kann nicht sein, Spitzenforschung in „Elfenbeintürmen“ zu betreiben und die Studierenden an den Hochschulen zu vernachlässigen.

Auch der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat das erkannt: Mit einer Exzellenzinitiative der Lehre versucht er Hochschulen zu motivieren und neue Konzepte der Lehre zu entwerfen. Doch leider entfalten 10 Millionen Euro, getragen von Stifterverband und Ländern, nicht dieselbe Wirkung wie 2,7 Milliarden. Von 104 Universitäten beteiligten sich gerade einmal 57, von 189 Fachhochschulen nur 47.

Für die meisten ProfessorInnen ist und bleibt die Lehre ein notwendiges Übel im Hochschulbetrieb. Im Schnitt kommen heute 60,4 Studierende auf einen/e ProfessorIn (im Vergleich: Vor dreißig Jahren waren es noch 39,5 Studierende/Prof.). Die Anforderungen an die DozentInnen wachsen und trotzdem ist immer noch kein beherztes Eingreifen der Länder  und Hochschulen in Sicht!

Der Wissenschaftsrat fordert bereits eine neue Lehrkultur und ein neues Berufsverständnis der ProfessorInnen. Der/Die ProfessorIn, als AutodidaktIn in der Lehre, muss die Lehre gleichbedeutend neben seiner/ihrer Forschung anerkennen. Es ist ein falsches Zeichen,  ProfessorInnen von ihrem Lehrdeputat zu befreien, sobald sie „exzellenten“ Kreisen angehören – was an manchen Hochschulen bereits praktiziert wird.

Es ist genauso falsch, eine schnelle Lösung des Problems in sogenannten Lehrprofessuren zu suchen. Diese ProfessorInnen leisten nicht automatisch bessere Lehre, nur weil sie sonst nichts anderes tun. Lehrprofessuren vergrößern nur den Abstand der Studierenden zur aktuellen Forschung. Das kann und darf aber nicht das Ziel der Hochschulen sein! Wir laufen Gefahr, Hochschulen in Schulen zu verwandeln, die nur dazu dienen Grundwissen eines Faches durch Frontalunterricht an Studierende weiterzugeben.

Deshalb fordern wir:

  • Verpflichtend didaktische Fortbildungen für DozentInnen.
  • Stärkere Gewichtung der Lehre als Kriterium in Berufungsverfahren
  • Stärkeres Stimmgewicht der Studierenden in Berufungsverfahren.
  • Mehr Finanzierung der Lehre durch den Staat (Bereitstellung der nötigen Infrastruktur an der Hochschule durch Steuermittel anstatt durch Studiengebühren).

Ilona

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