Ökonomisierung des Bildungswesens

Heute ist der Staat nicht mehr alleine für die Finanzierung im Bildungsbereich zuständig. Private Unternehmen sind als „Geldgeber“ herzlich willkommen und profitieren dabei auch von steigender Attraktivität ihrer Unternehmen.

Werbung und Wirtschaft haben die Schulen für sich entdeckt. Bahlsen, Coca Cola oder Sparkassen finanzieren Unterrichtsmaterialien. Der Gründer des Metro Konzerns stiftet viel Geld, damit ein Gymnasium seinen Namen trägt. Die Allianz organisiert einen kostenlosen „Berufschancen Test“ an Schulen und nutzt die gesammelten Daten zur Kundenwerbung.

In der BRD gibt es ca. 48.000 Schulen mit ungefähr 12 Millionen Schülerinnen und Schüler. Letztere verfügen über etwa 9 Milliarden Euro Taschengeld jährlich. Marketingexperten schätzen, das Schülerinnen und Schüler über weitere Ausgaben in Höhe von 55 Milliarden Euro in ihren Familienhaushalt mitbestimmen und genau bei diesen Ausgaben wollen Unternehmen mitmischen. Reklameplakate in Schulgebäuden, Firmenlogos auf Schulheften oder Marketingevents auf Schulpartys sind keine Seltenheit mehr. Teams der Werbeunternehmen können von Klasse zu Klasse gehen und Aktionen im Unterricht durchführen. Zu den Kunden der Werbeunternehmen an Schulen gehören Coca Cola, Ford, E-Plus, Burger King, Ikea, SPD, FDP, die Bundeswehr und viele andere… Das Erschreckende ist: Was hat die Bundeswehr an Schulen zu suchen? Wie uns allen bekannt ist, wirbt die Bundeswehr immer öfter an Schulen und Berufsmessen mit attraktiven Mitteln wie z.B. mit der Finanzierung des Studiums usw. Sie suchen ständig nach frischem „Kanonenfutter“, das bei Kriegseinsätzen im Ausland für die Interessen der Wirtschaft in fremden Ländern (wie Afghanistan) sein Leben aufs Spiel setzt.

Das mehrstufige Bildungssystem (Hauptschule/Realschule/Gymnasium…) spielt bei dieser Ökonomisierung eine sehr große Rolle. Das Bildungssystem der BRD sichert, dass viele Schülerinnen und Schüler, die zum Großteil aus Arbeiterfamilien stammen, keine Chance beim Aufstieg auf die „höhere Stufe“, also aufs Gymnasium, haben und somit nach der Absolvierung der Hauptschule entweder als Billiglohnarbeiter für Leihfirmen und andere Unternehmen arbeiten oder sich bei der Bundeswehr als Berufssoldat usw.  verpflichten.

Kommen wir zurück zu den Unternehmen. Durch Werbeverträge erhalten Schulen Sach- und Geldmittel. In Zeiten knapper Kassen werden Schulen gezwungen, nach „Geldgebern“ Ausschau zu halten. Werbung und Sponsoring sollen sogar dabei helfen alte, brüchige Schulgebäuden zu renovieren. „Die Pestalozzischule Emden sucht Material zur Lichtschutzdämmung der Flurdecken sowie Montage“ heißt es auf der Homepage der Aktion „bildungslueckenfueller“. Die Evangelische Grundschule Berlin Wilmensdorf bedankt sich für „eine Wandtafel“.

Diese Beispiele lassen uns vermuten, dass der Staat die Ausgaben für die Bildung gesenkt hat. Und tatsächlich sanken die Bildungsausgaben des Staates gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Jahr 1995 wurden noch 6,9 % des BIP für Bildung verwendet, 2000 lagen die Ausgaben bei 6,7 % und 2006 sanken sie auf 6,2 % und sinken immer weiter, während die Ausgaben für die Rüstung jährlich steigen (2006- 27,87 Milliarden Euro, 2007- 28,4 Milliarden Euro, 2008- 29,45 Milliarden Euro) und Banken und Konzerne Staatshilfen in Milliardenhöhe geschenkt bekommen.

An einigen Schulen wird Scrabble mit „ABC-Russisch-Brot“ Keksen von Bahlsen gespielt oder Schüler und Schülerinnen lernen mit ihrer Hilfe „spielerisch“ das Alphabet kennen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, wie Unternehmen ihre Produkte erfolgreich in den Schulen einsetzen und somit Werbung für ihre Produkte machen.

Gymnasien bevorzugt! Gezielt gehen Unternehmen als Sponsoren auf Gymnasien zu, weil Gymnasien zum größten Teil von Akademikerkindern besucht werden und im Gegensatz zu Hauptschülern und Hauptschülerinnen, die aus Arbeiterfamilien stammen, über ein höheres Taschengeld verfügen. Dies sorgt dafür, dass ein heruntergekommenes Gymnasium durch Firmenspenden schneller oder überhaupt an Geld für Reparaturkosten kommt als eine Hauptschule. Hauptschulen fehlt somit das nötige Geld für Lernmittel und für Reparaturen von kaputten Fenstern oder wasserdurchlässige Dächern. Das kann zu enormen Konzentrationsstörungen im Unterricht führen. Dies schafft ein Bild von perfekten Schulgebäuden für wohlhabende Kinder und mangelhaften Schulgebäuden für Hauptschüler und Hauptschülerinnen, die zum größten Teil sozial benachteiligte Kinder sind.

Der Staat zieht sich schleichend aus dem Bildungsfinanzierung zurück und überlässt den Unternehmen immer mehr die Kontrollfunktion in diesem Bereich. Dies zeigt auch die Privatisierung staatlicher Schulen. Also müssen wir uns in Zukunft auch noch um unsere Unterrichtsinhalte Sorgen machen, da Unternehmen diese nach der möglichen „Kontrollübernahme“ nur noch für ihre eigenen Interessen verwenden könnten. (Wobei ich persönlich denke dass dies schon seit mehreren Jahren der Fall ist.)

Kämpfen wir für soziale Gerechtigkeit, kämpfen wir für ein einheitliches Bildungssystem, raus mit den Interessen der Unternehmen aus unserer Bildung. Unsere Schulen, Kindertagesstätten und Universitäten sind keine Märkte.

Faruk

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